España es diferente 

Malaga

Sicher verstehen auch alle diejenigen diesen Satz, die nicht Spanisch sprechen, also wozu Spanisch lernen? Und außerdem wird man in den spanischen Urlaubsgebieten sowieso verstanden  „Man spricht Deutsch und/oder  English spoken“, also warum es nicht so machen wie die Angelsachsen, deren Begeisterung für Fremdsprachen sich bekanntermaßen sehr in Grenzen hält?

Seit Mitte der 80er Jahre gibt es Fichte-Schüler, die sich freiwillig mit der zweiten Weltsprache auseinandersetzen, zunächst in AGs vor oder nach dem Unterricht, seit 1991 als ordentlicher Grundkurs ab Stufe 11, seit dem Schuljahr 08/09 auch als Angebot in der differenzierten Mittelstufe ab Klasse 9 bzw. 8 im neuen achtjährigen Gymnasium.

In den ersten beiden Jahren geht es vornehmlich um den Spracherwerb, wobei die Progression natürlicher etwas steiler ist, denn man setzt ja schon mit der vierten Sprache im gymnasialen Bildungsgang auseinander. Trotzdem  fangen fast alle bei Null an – mit Ausnahme der Schülerinnen und Schüler, die in der Familie schon Spanisch sprechen, aber gerade deren Eltern legen Wert auf eine schulische „Vermittlung“ der Sprache, was sofort einleuchtet, wenn man sieht, dass ausgerechnet die Muttersprachler von den einfachsten Regeln wie denen der Akzentuierung keine Ahnung haben. Aber die Regeln sind natürlich nur Mittel zum Zweck der Schulung der Ausdrucksfähigkeit, und so sind Partner- und Gruppenarbeit im mündlichen und die Produktion kurzer Texte im schriftlichen Bereich von Anfang an Weg und Ziel. Regelmäßige Vokabelarbeit und ein wachsender Fundus von grammatischen Strukturen helfen den Schülern dabei, sich zunächst über ihnen schon bekannte Lebensbereiche, später über neue und fremde Sachverhalte und Lebensumstände zu äußern. Landeskundliche und historische Aspekte werden integriert, ohne dass der Spanischkurs in einen Kurs Erdkunde oder Geschichte ausartet. Trotzdem sind speziell in der Oberstufenarbeit diese Aspekte unabdingbar, denn es geht eben nicht nur um den Spracherwerb. Wer z.B. um die 500 Jahre dauernde Unterdrückung der indigenen Bevölkerung Hispanoamerikas weiß, wird verstehen, warum der Zeitpunkt kommen musste, als sich 1994 die Indios der Region Oaxaca/Mexiko z.T. mit Lanzen und Holzgewehren  gegen ihre Regierung und deren Armee und Luftwaffe erhoben, um endlich die Schulen, Ärzte, Infrastruktur etc. zu bekommen, um die man sie bis dato betrogen hatte.

Andere Themen der Oberstufenarbeit sind Jugend- und Großstadtprobleme (z.B. sind die „Straßenkinder“ ein ursprünglich südamerikanisches Phänomen), die (illegale) Einwanderung in die USA (Verknüpfung mit der Thematik des Fachbereichs Englisch), innerspanische Probleme der autonomen Regionen mit der Zentralregierung, Gebrauch der anderen spanischen Sprachen, und nicht zuletzt die illegale Einwanderung von Asien und Afrika nach Spanien mit ihrer europäischen Dimension. Dabei wird die Unterrichtszeit zwischen Spanien und Hispanoamerika aufgeteilt.

Ach ja, España es diferente? Die Fichte-Spanier merken es spätestens dann, wenn sich der Wunsch nach grenzüberschreitenden Kontakten regt, denn da in Spanien kaum jemand Deutsch lernt, ist es sehr, sehr schwierig, einen Schüler-Austausch zu organisieren. Dass wir es trotzdem bislang dreimal geschafft haben darf getrost als Erfolg gewertet werden. Aber wir bemühen uns weiterhin und helfen auch, auf individueller Basis Kontakte nach Hispanoamerika herzustellen. Und wenn es mit einem Austausch nicht klappt, bleibt immer noch die Möglichkeit einer Studienfahrt der Grundkurse in Klasse 13 oder der Kurs trifft sich zu Tapas und Tinto in einem spanischen Restaurant.