"Das Geheimnis der Kelten" auf Burg Linn

Geheimnisvolles in Linn

Nach mehreren Monaten Caesar-Lektüre war dem Lateinkurs der Jahrgangsstufe 10 von Herrn Pungs immer deutlicher geworden, dass der große Feldherr in seinen Kommentaren über den Gallischen Krieg ein Bild der Kelten bzw. Gallier zeichnet, das eben diesen Krieg legitimieren soll. Entsprechend stellt er die Gegner – Kelten wie Germanen – als kriegerische Barbaren dar, deren Gefährlichkeit für Rom nicht unterschätzt werden darf.

Doch wer waren die Kelten wirklich? Da sie kaum schriftliche Aufzeichnungen hinterließen, ist man vor allem auf die Befunde der Archäologie angewiesen. Daher nutzte der Kurs die Gelegenheit und besuchte am 18.06.08 die Sonderausstellung "Das Geheimnis der Kelten" im Museum Burg Linn. Unter sachkundiger Führung durch Herrn Jülich, den Archäologen des Museums, machten die Schüler Bekanntschaft mit der Kultur der Kelten.

Ausgangspunkt der Ausstellung sind Exponate, die zeigen, was heutzutage als "keltisch" angesehen wird. Mit Beispielen aus Kunst, Musik und Literatur, aber auch mit Bildern von "keltischen" Pubs, dem Emblem von Celtic Glasgow und "keltischen" Tätowierungen wird die Bandbreite dargestellt, in der die Kultur der Kelten scheinbar bis heute nachwirkt bzw. eine Renaissance erlebt.

In einer allgemeinen Einführung erläuterte Herr Jülich, wie die Bezeichnungen der beiden keltischen Kulturen "La Tène" und "Hallstatt" zustande kommen. In der Archäologie wird eine mehr oder weniger zusammenhängende Kultur nicht unbedingt nach ihrem Entstehungsort benannt, sondern nach dem Fundort der ersten Gegenstände, die charakteristische Merkmale aufweisen.

Die richtige Atmosphäre für die Ausstellung

Die lebensechte Rekonstruktion des Keltenfürsten von Oss vermittelt eine Vorstellung vom wahrscheinlichen Aussehen, der Kleidung und Bewaffnung des (einfluss)reichen Adligen. Eine Vitrine enthält Grabbeigaben sowie die Situla (ein Weinmischgefäß), in der der Fürst bestattet worden war. Diese Funde zeigen, worin sich Reichtum und Macht der damaligen Zeit äußert: im Besitz von Pferden, Eisenwaffen und Gefolgsleuten. Dass der Leichnam zuvor verbrannt worden war, unterscheidet ihn vom Keltenfürsten von Hochdorf, dessen Leichnam in Gänze bestattet wurde.

Anhand solcher Begräbnisriten wie auch der Bauweise von Häusern erläuterte der Archäologe den Kulturtransfer zwischen Kelten und Germanen. Durch Händler oder Reisende wurden bestimmte Lebensweisen, Techniken und Bräuche "ausgetauscht". Solche archäologischen Befunde zeigen, dass im Alltagsleben die beiden Völker nicht so starr getrennt lebten, wie Caesar dies in seinen Kommentaren suggeriert.

In diesem Zusammenhang machten die Schüler regen Gebrauch von der Möglichkeit, sich von der Web-Cam mit dem Fürsten von Oss fotografieren und auf der Homepage der Ausstellung veröffentlichen zu lassen, machten die Schüler regen Gebrauch.

Mit der Romanisierung der eroberten Gebiete begann die Verdrängung der keltischen Kultur. Ohne die Religion der Eroberten zu unterdrücken, übte die römische Kultur einen bestimmenden Einfluss aus. Nach und nach übernahm die keltische Religion äußere Formen der römischen – u.a. den Bau von Tempeln oder die Schriftlichkeit. Auf diese Weise verschwand im Laufe des ersten Jahrhunderts nach Christus – bis auf Reste in der Namensgebung – die keltische Kultur weitgehend.

Erst im Laufe der Renaissance wurden über Notizen bei Herodot und anderen antiken Schriftstellern auch die Kelten wieder "entdeckt". In ihnen glaubten die Menschen des 16. Jahrhunderts ihre Vorfahren zu sehen; die Identifikation mit ihnen unterstützte auch die Bildung eines Nationalbewusstseins.

Nach der informativen und interessanten Führung machte sich dann doch der lange Schultag bemerkbar; von der Möglichkeit, sich an Computern interaktiv mit dem einen oder anderen Thema näher zu beschäftigen, wurde nur noch wenig Gebrauch gemacht. 

In einem Quiz in der folgenden Lateinstunde zeigte sich aber, dass es Herrn Jülich durchaus gelungen war, dem Kurs umfassende Informationen über die Eisenzeit und die Welt der Kelten zu vermitteln.

E. Pungs