Zeitreise: Ich fuhr in die Zukunft...

Die Gewinner des Wettbewerbs

Der Literaturwettbewerb des Fichte-Gymnasiums zum Thema Zukunft

Über viele schöne Beiträge freuten sich die Juroren des Literaturwettbewerbs 2010 zum Thema "Zukunft". Vier Texte wurden inzwischen prämiert und ihre Autoren im Rahmen des Vorlesewettbewerbs der Sechstklässler ausgezeichnet.

Der erste Preis ging hierbei an Rebecca Schüren für ihren Text "Die Zukunft". Die Begründung der Jury: "Und dann fuhr ich in die Zukunft" – mit diesem lakonischen Satz eröffnet Rebecca Schüren ihren Essay. Ein wunderbarer Einstieg, drückt er doch auf adäquate Weise aus, wie wir Menschen uns im Strom der Zeit auf die Zukunft zu bewegen. Als zeitliche Wesen befinden wir uns in einem stetigen Übergang von der Vergangenheit in die Zukunft. Dieser Moment des Übergangs kommt im ersten Wort des Textes, in dem Wort "Und", auf feinsinnige und zugleich unaufgeregte Weise zur Sprache. Über Fragen nähert sich Rebecca ihrem Thema an, fragend klopft sie das Wort "Zukunft" ab, um seiner Bedeutung auf die Schliche zu kommen. Spielerisch folgt sie ihren Assoziationen, Mutmaßungen, Hoffnungen – und verliert sich mitunter in den Übungen ihrer Fantasie. Beachtlich ist vor allem auch die sinnliche Qualität ihres Textes. Die dichte Abfolge der Fragen rhythmisiert den Essay, sodass der Leser in einen eigentümlichen Sog gerät. Besonders erstaunlich ist die Güte des Textes, wenn man sich vor Augen hält, dass Rebecca bei seiner Abfassung die siebte Klasse besuchte.

Den zweiten Preis erhielt Lukas Pesch für seinen Text "Von Chinesen, Weltuntergängen und anderen Horrorszenarien der Zukunft". Die Begründung der Jury: Ganz anders als Rebecca Schüren behandelt Lukas Pesch das Thema "Zukunft". Er nutzt es, um die Jetztzeit kritisch zu durchleuchten. Aktuelle Fehlentwicklungen spürt er auf und fragt sich, inwieweit sie sich in der Zukunft weiter entfalten werden. Kunstvoll und pointiert verquickt Lukas dabei Themen wie Fast Food, den Treibhauseffekt und chinesische Raubkopien zu kühnen und zugleich kruden Zukunftsvisionen. Mit herbem Sarkasmus hält er so unserer Zeit den Spiegel vor. 

Den dritte Preis teilen sich Anita Ebel und Saskia Kulka. Begründung der Jury: Anitas Kurzgeschichte "Vergangenheit und Zukunft sind sich ähnlicher als man denkt" beeindruckt vor allem durch die sich in ihr artikulierende Lust am Fabulieren. Man spürt in jeder Zeile den Spaß, den die Autorin mit dem Schreiben und Fantasieren verbindet. Der Text ist überreich an Ideen und Einfällen, orientiert sich aber teilweise auch an bekannten Erzähl- und Rollen-mustern, die er in eine Welt von Übermorgen transportiert. Sehr analytisch geht Saskia Kulka in ihrem Essay über die Zukunft vor. Nicht der Zukunft selbst, sondern unseren Vorstellungen von der Zukunft widmet sich Saskia. Dabei kreisen ihre Überlegungen unter anderem um die Frage, welchen Sinn Zukunftsentwürfe überhaupt haben können. Im Ganzen überzeugen Saskias Reflexionen durch ihre gedankliche Klarheit und Plausibilität, wenngleich sie sich letztlich im Ungewissen verlieren.

Die Preise: Rebecca und Lukas erhielten jeweils zwei Kinogutscheine, Saskia und Anita jeweils ein Buch.

A. Stermann