West Morris Central H.S.: Shorts bei 5°C

Dass die Schulen in Amerika anders sind als hier, konnte man schon beim Empfang auf dem Schulparkplatz sehen. Der war nämlich ziemlich groß und bot außerdem schon eine hübsche Aussicht auf die nicht zu klein geratenen Sportanlagen – dazu aber später mehr. Was einem sofort ins Auge stach: Die Schule hat nur ein Stockwerk! Dieses Erdgeschoss hatte es aber auch schon in sich. Es hat einige Tage gedauert, bis wir uns alle in den verzweigten Gängen ohne eine Karte zurechtfinden konnten: Kein Wunder, wenn man bedenkt, dass die West Morris Central High School etwa doppelt so viele Schüler wie das Fichte beherbergt. Um dieses große Gebäude herum war – abgesehen von einer Straße – recht wenig. Die Amerikaner haben eindeutig viel Platz. So zeigt sich der Unterschied in der Ausstattung der Schulen in den USA und in Deutschland schon sehr gut an den Sportmöglichkeiten: Die West Morris Central High School hat mehrere Tennisplätze, Baseballfelder, ein Lacrossefeld und natürlich auch  eine große Aschenbahn. Was bei uns alleinstehend als Sportanlage gebaut wird, ist dort das Standardequipment von Schulen. Es ist einfach alles größer und weiter ausgedehnt, und die Entfernungen erschienen uns schon in New Jersey groß, obwohl es der Bundesstaat mit der größten Bevölkerungsdichte in ganz Amerika ist.

Aber die Schule ist nicht nur von außen, sondern auch von ihrem System her ganz anders als hier. Zuerst einmal ist alles viel lockerer: Im Unterricht kann man Kaugummi kauen, seine Kappe aufhaben oder in einigen Fällen sogar seinen MP3-Player benutzen. Schülerbeteiligung gibt es nur begrenzt, in einigen Fächern (wie zum Beispiel Deutsch) ist sie relativ ausgeprägt, wogegen der Unterricht in Geschichte eher einem Lehrervortrag gleicht. Zudem gibt es dort überall Laptops und sie werden auch sehr stark in den Unterricht eingebunden. Das führt oft dazu, dass die Schüler überhaupt nicht mehr nachdenken, sondern gleich das Internet zu Rate ziehen.

Man kann auch ganz allgemein sagen, dass das Mündliche dort kaum so wichtig ist wie hier, denn es werden wirklich ständig Tests oder Arbeiten geschrieben (auch wenn die dort andere Namen haben und auch nach einem anderen Konzept aufgebaut sind). In Geschichte wurde – zumindest in dem Kurs von meinem Austauschpartner – etwa jede zweite Stunden ein Test geschrieben.

Das Niveau ist unterdessen relativ niedrig. Denn in den USA erfolgt im Gegensatz zum deutschen Schulsystem keine strikte Unterteilung in verschiedene Leistungsgruppen, weshalb man sich immer an etwas leistungsschwächeren Schülern orientieren muss. Was in der Schule besprochen wurde, konnten wir zum größten Teil schon.

Bilder aller Gruppen GAPP 2007

Der Stundenplan in den USA ist etwas gewöhnungsbedürftig. Es gibt 4, 3, 2 und 1 Days, an denen jeweils eine bestimmte "Period"-Abfolge festgelegt ist – einem Fach wird immer eine bestimmte Periodnummer zugewiesen, die es dann bis zum nächsten Stundenplan behält.

Die Schule in den USA geht aber über die Schule hier bei uns hinaus, denn es gibt viele Gruppen mit zusätzlichen Aktivitäten – Lacrosse, Soccer etc. Und man kann sogar seinen Führerschein an der Schule machen. Durch diese Aktivitäten und die relativ lange Schuldauer bleibt den amerikanischen Schülern insgesamt weniger Freizeit als uns.

Was äußerst bemerkenswert ist, ist die amerikanische Kälteresistenz. Wenn man in Deutschland lange Hosen und Pullover trägt, trägt man in Amerika Shorts und T-Shirts beziehungsweise kurze Röcke, Flip-Flops und T-Shirts. Auch bei 5°C. Nicht dass das stören würde, die amerikanischen Frauen sind überhaupt sehr hübsch, aber man wundert sich doch etwas, wenn man gefragt wird, ob man Shorts dabei hat, wenn es am nächsten Tag 5° wird.

Abschließend kann man sagen, dass der Austausch auch dieses mal definitiv wieder ein voller Erfolg war. Denn er bestand natürlich nicht nur aus Schule, sondern auch aus Ausflügen, und mit denen waren Szenen verbunden, die zumindest mir, aber ich glaube auch dem Rest der Gruppe immer in Erinnerung bleiben werden

Christian Schulz, 2007