Soziales Lernen und Werteerziehung – Hand in Hand am Fichte-Gymnasium

Kinder haben ein Recht auf Liebe

Im Rahmen unseres Programms Soziales Lernen und Werteerziehung – Hand in Hand am Fichte-Gymnasium unterstützen wir unsere Schülerinnen und Schüler in ihrer Entwicklung zu selbstständigen und sozial verantwortlichen Persönlichkeiten, deren Umgang miteinander auf gegenseitiger Wertschätzung, Höflichkeit und Respekt gründet. Die Stärkung der Solidaritätsbereitschaft, die Förderung der Selbst- und Mitbestimmungsfähigkeit der Schülerinnen und Schüler bilden in diesem Zusammenhang die obersten Ziele unseres erzieherischen Handelns. Das Herzstück des Programms stellt das Sozialpraktikum dar, welches das Fichte-Gymnasium in Kooperation mit dem Roten Kreuz für die Schülerinnen und Schüler der neunten Jahrgangsstufe seit dem Schuljahr 2008/2009 anbietet. In Altenheimen, Kindergärten und Sportvereinen zeigen sie Verantwortungsbereitschaft, sind helfende Hand: Über 40 Neuntklässler nehmen in diesem Jahr an dem auf Freiwilligkeit beruhenden Praktikum teil und engagieren sich in sozialen Einrichtung der Seidenweberstadt.

Einen weiteren Eckpunkt unseres Programms Soziales Lernen und Werteerziehung bildet das Patenschaftsmodell, das installiert wurde, um den neu zur Schulgemeinschaft hinzu-kommenden Fünftklässlern den Einstieg am Fichte-Gymnasium zu erleichtern. Jedem Fünftklässler wird im Rahmen des Patenschaftsmodells ein Schüler aus den älteren Jahrgängen zugeteilt, der ihm in der Anfangszeit mit Rat und Tat zur Seite steht.

Das Programm Soziales Lernen und Werteerziehung umfasst indes noch weit mehr als das Patenschaftsmodell und das Sozialpraktikum. Auf vier Ebenen des Schullebens setzt die erzieherische Arbeit, die Förderung der Solidaritäts-, Selbst- und Mitbestimmungsfähigkeit der Schülerinnen und Schüler an:

  • im Fachunterricht, wobei den Fächern Katholische Religionslehre, Evangelische Religionslehre und Praktische Philosophie, das am Fichte Gymnasium von der fünften bis zur zehnten Klasse unterrichtet wird, eine besondere Funktion zukommt;
  • in außerunterrichtlichen Aktivitäten, die mit den Unterrichtsinhalten der obigen Fächer korrespondieren (So fand infolge einer Unterrichtseinheit zum Thema Kinderarbeit – Kinderrechte im Herbst 2008 ein Sponsorenlauf statt, dessen Einnahmen zu einem Fünftel einem Projekt der Kindernothilfe zufließen, in dessen Rahmen indischen Kindern ein Schulbesuch ermöglicht wird);
  • in der Arbeit des Klassenlehrers;
  • durch den Einsatz von Unterrichtsmethoden kooperativen Lernens, welche die Teamfähigkeit der Kinder und Jugendlichen fördern. 

Der Schwerpunkt „Soziales Lernen und Werteerziehung“ im Unterricht des Fachs „Praktische Philosophie“

  • 5. Klasse: Auseinandersetzung mit dem Thema Kinderarbeit und –armut, die Ableitung von Kinderrechten.
  • 6. Klasse: Der Umgang des Menschen mit Tieren (Anschaffung eines Haustieres, artgerechte Haltung von Nutztieren, Artenschutz).
  • 7. Klasse: Verantwortung für die Um- und Mitwelt (Treibhauseffekt, Umweltverschmutzung).
  • 8. Klasse: Umgang mit Konflikten (Ursachen von Aggressionen, Kommunikations- und Diskurstheorie).
  • 9. Klasse:  Interkultureller Dialog/Krieg und Frieden (Politik des Dialogs, Ursachen von Kriegen, Kant: Zum ewigen Frieden).
  • 10. Klasse: Pflichtethik versus Mitleidsethik. (Kant: Kategorischer Imperativ und Begriff der Autonomie, Erarbeitung der Mitleidsethik anhand des Wirkens von Oskar Schindler während der NS-Zeit).  

Theoretischer Hintergrund des Programms „Soziales Lernen“

Im Rahmen des Programms Soziales Lernen erarbeiten sich die Schülerinnen und Schüler maßgebliche Positionen der neueren Philosophiegeschichte. Die Unterrichtsreihe zum Thema Kinderarbeit in der 5. Jahrgangsstufe rekurriert auf Arthur Schopenhauers Mitleidsethik und fördert die Fähigkeit zur Empathie. In der 6. Klasse bildet Albert Schweizers Ethikansatz der Achtung allen Lebens in der Unterrichtsreihe zum Thema Umgang mit Tieren den ideengeschichtlichen Referenzrahmen. Anhand des Treibhauseffekts erarbeiten sich die Schülerinnen und Schüler in der 7. Klasse die verantwortungsethische Position von Hans Jonas. Die Diskursethik von Jürgen Habermas bildet derweil in der 8. Jahrgangsstufe in der Unterrichtsreihe zum Thema Konflikte die ideengeschichtliche Basis. In der 9. Jahrgangsstufe setzen sich die Schüler im Rahmen der Unterrichtsreihe zum Thema Interkultureller Dialog mit den Positionen von Martin Buber, Hans Küng, Kofi Annan, Immanuel Kant und Mah’atma Gandhi auseinander. In der 10. Jahrgangsstufe lernen die Schüler zentrale Aspekte der Kantischen Ethik kennen. Zudem erarbeiten sie sich anhand des moralischen Handelns von Oskar Schindler in der NS-Zeit Arthur Schopenhauers Mitleidsethik. 

Didaktischer Hintergrund: Das Konzept Soziales Lernen orientiert sich an der Bildungsdidaktik von Wolfgang Klafki. Unterrichtliches Handeln sollte Klafki zufolge drei Erziehungsziele verfolgen: die Förderung der Selbstbestimmungs-, der Mitbestimmungs- und der Solidaritätsfähigkeit der Schülerinnen und Schüler. Die Unterrichtsvorhaben in den Jahrgangsstufen 5, 6, und 10 dienen in erster Linie der Förderung der Solidaritätsfähigkeit. Die Unterrichtsvorhaben in der 5., 8. und 9. Jahrgangsstufe fördern vor allem die Mitbestimmungsfähigkeit der Kinder und Jugendlichen. Um die Fähigkeit zur Selbstbestimmung bemühen sich die Unterrichtsvorhaben in der 6., 7. und 10. Jahrgangsstufe. Noch in einer anderen Hinsicht korrespondiert das Konzept Soziales Lernen mit bildungsdidaktischen Überlegungen Wolfgang Klafkis. Das Konzept genügt Klafkis Forderung, dass Schule zur Auseinandersetzung mit epochaltypischen Schlüsselproblemen anstiften soll. Zu diesen Problemen zählt Klafki die Themen Umwelt, Krieg und Frieden, das Phänomen der Ich-Du-Beziehungen, die Subjektivität des Einzelnen, gesellschaftlich produzierte Ungleichheit. Teils rücken diese Probleme im Rahmen der oben dargestellten Unterrichtsvorhaben ins Zentrum der Betrachtung, teils werden sie – zumindest – tangiert.