Fichte-Schüler mit Shakespeare in der Türkei

RP-Foto: Thomas Lammertz. Seit dem Sommer probt die Theatergruppe für die Komödie "Was ihr wollt" von William Shakespeare. Die RP gibt einen Vorgeschmack auf das Schauspiel. Martin Ott muss am längsten in der Maske sitzen: Als Narr unterhält er nicht nur durch sein komisches Aussehen, sondern vor allem durch nur vorgetäuschte Narrheit. "Ich habe die Rolle bekommen, weil ich mich nicht verstellen muss", meint der 19-Jährige.

Seit dem Sommer probt die Theatergruppe für die Komödie "Was ihr wollt". Die 23 Schüler sind auch bei einem Theaterfestival in Krefelds türkischer Partnerstadt Kayseri dabei. Die Inszenierung spielt mit Verwechslungen und Wortwitzen.

Ein angetrunkener Landadeliger, sein Saufkumpan im Schottenrock und eine neugierige Dienerin zetern versteckt hinter einer Hecke; Lenas Europa-Hit "Satellite" wird gegrölt, während die drei den eingebildeten Malvollo beobachten. Plötzlich kippt die Hecke um. Im Publikum ertönen erste Lacher. Der trockene Kommentar von Marvin Roosen, dem Iren im Schottenrock, bringt alle endgültig zum Lachen: "Die Heckenszene lief auch schon mal besser." Zum Glück ist es nur die Generalprobe.

Am Mittwoch war die Premiere des Theaterstücks "Was ihr wollt" von William Shakespeare, die die Theater-Gruppe des Fichte-Gymnasiums inszeniert hat. Die 23 Schüler der Stufen 9 bis 13 haben seit letztem Sommer regelmäßig abends und am Wochenende geprobt. Kostüme sind bei den Großeltern und im Fundus der Waldorfschule aufgetrieben worden; es gab Schminktipps von Maskenbildnern und Sprechtraining. Lehrer Hans-Joachim Wigbels ist zufrieden mit dem Ergebnis: "Es ist eine gemeinsame Sache, alle wollten in diesem Jahr eine Komödie aufführen."

Die Inszenierung der Jugendlichen spielt mit viel Situationskomik, ironischer Comedy-Adaptionen und vertauschten Rollen. In einer Szene spielt der Narr Lenas "Satellite" auf der Laute, während Sir Toby und Freund Andrew im betrunkenen Zustand über die Welt philosophieren. Was hat Lena mit Shakespeare gemein? "Das Lied kann man super grölen", sagt Schüler Thorsten Schütz.

Den Jugendlichen geht es um den Spaß an der Sache; vor allem wenn der Rock von Marvin Roosen hochfliegt. Dabei ist das Lachen den Schauspielern eigentlich verboten. "Es gibt eine Szene, in der ich Olivia ganz lange anschauen muss, während der Narr um uns herumspringt. Da müssen wir uns sehr zusammenreißen", gesteht Claire Stiebler, die mit gefühlsbetontem Ausdruck einen als Frau verkleideten Mann spielt. Auch sonst haben die Schüler bei den Proben viel Freude; die Atmosphäre ist locker, es wird gescherzt, gesungen und geteilt - das selbst gemachte Rührei von Schütz.

Besonders stolz ist die Schule, dass sie im April mit ihrem Stück zu einem Theaterfestival in Krefelds Partnerstadt Kayseri fahren darf. Fünf Tage werden die Schüler dort die Stadt kennenlernen, eine Schule besuchen und vor allem Theater erleben. "Wir sind hellauf auf begeistert", sagt Wigbels. Für die eigene Aufführung hat eine türkisch sprechende Schülerin kleine Szeneneinleitungen geschrieben, die sie auf Türkisch vortragen wird.

Angst, dass sie nicht verstanden werden, haben die Schüler nicht. "Das Stück lebt ja von Gesten. Mit Theater kann man zwischen den Kulturen vermitteln", sagt der 19-jährige Schütz. Für ihn ist es eine Ehre, beim Theaterfestival in der Türkei dabei zu sein. "Ich bin sehr gespannt, die Leute kennenzulernen, und zu beobachten, wie sie Theater spielen. Vielleicht sind die Kostüme ja ganz bunt oder es gibt orientalische Musik."

RP-Foto: Thomas Lammertz. Männer im Suff: Nichtsnutz Sir Toby Blech (Thorsten Schütz), der Ire im Schottenrock (Marvin Roosen) und der Narr grölen Pop-Songs im Garten.

Türkisches Elitegymnasium

Der Kontakt zu dem Gymnasium entstand durch Schuldezernent Gregor Micus der im vergangenen Frühjahr den Oberbürgermeister nach Kayseri begleitet hatte. "Dort gab es den Wunsch, Schulen miteinander in Kontakt zu bringen. Denn eine Städtepartnerschaft muss man mit Leben füllen. Da sollen sich auch junge Menschen begegnen." Das Fichte-Gymnasium äußerte Interesse, mit einem türkischen Traditionsgymnasium zu kooperieren. Die Schule hat in der Türkei einen äußerst guten Ruf; schon drei Staatspräsidenten machten dort ihren Abschluss.

Das Schultheaterfestival im April ist der ideale Anlass für eine Kooperation. In Kayseri übernachten die Krefelder Schüler bei Gastfamilien. Sie müssen nur den Flug selber zahlen. Drei Tage lang werden sie dann die Stadt entdecken, vom türkischen Oberbürgermeister empfangen und an dem Festival teilnehmen. Voraussichtlich dürfen sie sogar zweimal spielen - einmal in der Schule, einmal in der Universität. Die Schüler müssen dafür vor Ort ein Bühnenbild improvisieren. Denn die Hecke passt nicht ins Flugzeug.

"Was ihr wollt": Der Inhalt

"Das Faszinierende am Stück ist, dass es so chaotisch zugeht und am Ende fast keiner bekommt, was er wollte - bis auf das Publikum", sagt Schüler Thorsten Schütz. Zum Inhalt: Zwilling Viola überlebt ein Schiffsunglück und tritt - als Mann verkleidet - in den Dienst des Herzogs Orsino. Sie verliebt sich in ihn, obwohl sie als sein Liebes-Bote tätig werden muss.

Die umworbene Gräfin Olivia verliebt sich aber in die verkleidete Botin. Sir Toby, ein irischer Saufkumpan, und der Narr mischen sich mit unterhaltsamen Streichen ein. Die Ereignisse überschlagen sich, als Sebastian - der schiffsbrüchige Zwillingsbruder von Viola - plötzlich auftaucht. Olivia verwechselt ihn mit Viola und heiratet ihn. Orsino ist außer sich vor Wut und will den vermeintlich untreuen Diener töten. Am Ende lösen sich viele Konflikte; am glücklichsten bleibt aber das Publikum.

Natascha Verbücheln, rp-online, 16.03.11

Shakespeare auf Burg Bischofstein

Die Theater AG probte "Was ihr wollt"

Der übergroße Ritter vor dem Lehrerzimmer staunte nicht schlecht: wüste Schreie, Gelächter, Gegröhle, stampfende Tanzschritte waren zu hören, ein Narr sprang irrwitzig verkleidet durch die Gänge.

Die Theater AG probte am Wochenende (18.-20.02.11) auf Burg Bischofstein. Nachdem man seit den Sommerferien nur Einzelszenen oder einzelne Akte in den wöchentlichen Proben einstudiert hatte, wurde nun Shakespeares Komödie "Was ihr wollt" zum ersten Mal in ganzer Länge mit Kostümen und passendem Make-up durchgeprobt. Das wüste Durcheinander, die Wirren der Liebe, die Verwechslung von Personen und das verrückte Ende der Komödie verlangten den Schauspielern nicht nur körperliches Geschick, Beherrschung von Mimik und Text, sondern auch Kontrolle der Lachmuskulatur.

Lachen darf nur das Publikum.

Aufführungstermine: 16., 18. und 19. März 2011 jeweils um 19.30 Uhr in der Aula des Fichte-Gymnasiums