Spiel auf Zeit: Gelungene Inszenierung

Ist es möglich, dass zwei Liebende ein gemeinsames Leben beginnen können, wenn sie nichts anderes haben als den Glauben an ihr gegenseitiges Vertrauen? Diese Frage stellte sich der Theater-AG des Fichte-Gymnasiums, als sie mit großem Engagement und viel zeitlichem Einsatz Jean Paul Sartres Filmdrehbuch „Les jeux sont faits“ für die Bühne bearbeitete und einstudierte. 

Die Zuschauer erblickten bei den drei Aufführungen Anfang Februar 2010 eine zweigeteilte Bühne. Rechts ein Zimmer im Hause Charlier. Auf dem Sessel liegt Annique (Vera Weidenbach). Sie wird sterben, weil ihr Mann Andre (Thorsten Schütz), Milizsekretär und Mitgiftjäger, sie vergiftet hat. In ihren letzten Augenblicken erfährt Annique, dass er es ebenfalls auf ihre Schwester Lucette (Claire Stiebler) abgesehen hat.

Auf der linken Bühnenhälfte eine Garage, Treffpunkt einer proletarischen Untergrundbewegung. Ihr Anführer ist Pierre Dumaine (Gerrit Köppl). Auch seine Karten stehen schlecht: Unter seinen Kameraden ist der Verräter Lucien (Lukas Soboll), der Pierre in einem Wutanfall tötet.

Zwei Menschen völlig verschiedenen Gesellschaftsschichten finden so in derselben Minute den Tod.

Szenenwechsel, das Reich der Toten: Pierre und Annique treffen sich dort und verlieben sich ineinander. Es stellt sich heraus, dass sie sich nur auf Grund eines „Irrtums der Direktion“ noch nicht zu Lebzeiten begegnet sind. Madame Barbezat (Lisa-Marie Thelen), die am Eingang zum Totenreich die Neuankommenden registriert, gibt ihnen noch eine Chance. Die Bedingung: Sie dürfen zu den Lebenden zurückkehren, wenn es ihnen gelingt, sich innerhalb von 24 Stunden in vollem Vertrauen zu lieben.

Doch so verlockend das Angebot ist, die beiden wissen es nicht zu nutzen. Pierre kann seine Kameraden nicht vergessen und versucht sie zu warnen. Hatte er doch als Toter erfahren, dass der Diktator (Süleyman Yildiz) von dem geplanten Aufstand weiß. Auf der rechten Bühnenhälfte versucht auch Annique ihre Schwester vor Andre zu retten. Beide scheitern am Ende an ihrem fehlenden Vertrauen zueinander und müssen zurück ins Totenreich. Rien ne va plus. Les jeux sont faits. 

Bei der monatelangen, doch immer von Späßen begleiteten Probenarbeit lohnt sich ein Blick hinter die Kulissen (Video). Professionell ging die im Laufe von vier Jahren auf 31 Schülerinnen und Schüler angewachsene Theatergruppe, die von Frau Wölke und Herrn Wigbels betreut wird, ans Werk.

„Spiel auf Zeit“ spielt an verschiedenen Handlungsorten, was die Bühnenbauer vor das Problem stellte, dass sie die acht Schauplätze mit möglichst geringem Aufwand szenisch realisieren mussten. So sind einige Bühnenorte wie das Büro der Madame Barbezat  in den Zuschauerraum gerückt.

Besonders aufwändig war diesmal auch die Beschaffung der Kostüme: Denn wo bekommt man schon den bestickten Rock und die Kniebundhose für Marten Santjer, den 1778 gehängten Marquis aus dem Reich der Schatten, her? Hier half die Walddorfschule Krefeld mit Leihgaben aus ihrem großen Kostümfundus aus.

Schauspielerisch lieferte die Theatergruppe eine Glanzleistung ab. Einige der Darsteller sind bereits „alte Hasen“, die schon mehrere Theaterjahre am Fichte-Gymnasium hinter sich haben, einige sind jedoch ganz neu dabei. Leider sind Vera Weidenbach, Gerrit Köppl, Ole van Doorn, Tamara Oliver, Süleyman Yildiz, Marten Santjer, Kjell Peschel, Lisa Kasiske, Manuel Janke und Tobias Nelsen in diesem Jahr zum letzen Mal beteiligt, da sie demnächst ihr Abitur machen werden. Zum Glück gibt es aber bereits hoffnungsvollen Nachwuchs, der im nächsten Stück sicher wieder im Rampenlicht stehen wird!