Bully am Fichte

Büffeln fürs Bully: Am Fichte-Gymnasium wird Eishockey in einer Arbeitsgemeinschaft gespielt. Wolfgang Hüskes leitet die AG seit 30 Jahren. RP-FOTO: THOMAS LAMMERTZ

In der Eishockey-Arbeitsgemeinschaft am Fichte-Gymnasium hat bereits ein Profi-Spieler trainiert: Philip Riefers, Stürmer der Krefeld Pinguine.

Die aktuellen Teilnehmer schätzen vor allem aber den Spaß am Spiel, ohne Druck. Auch Mädchen sind mit dabei.

Philip Riefers drehte seine ersten Runden auf dem Eis in der Werner-Rittberger-Halle. Der ehemalige Schüler des Fichte-Gymnasiums, der mittlerweile in das Trikot der Krefeld Pinguine mit der Rückennummer Neun schlüpft, besuchte dort die Eishockey-Arbeitsgemeinschaft. Seit 30 Jahren wird die von Wolfgang Hüskes geleitet.

Zur Seite steht ihm seit einiger Zeit der ehemalige Fichte-Schüler Matthias Holzki. Der 26-Jährige schnürt die Schlittschuhe für den Verbandsligisten Grefrather EC.

Aus der Trillerpfeife seines früheren Sportlehrers ertönt ein lauter Ton. „Zweierpärchen bilden, drei bis fünf Meter Abstand, Zweikampf“, gibt er Anweisungen. Die Kufenflitzer üben im Spiel Eins gegen Eins den fairen Körpereinsatz. „Schläger runter“, korrigiert Hüskes. „Spiel ihn aus. Sehr schön“, ruft er über die Eisfläche. Er fordert: „Ran an den Mann.“ Einer fährt die Schulter aus. Prompt landet sein Partner mit dem Hosenboden auf dem glatten Untergrund. Rappelt sich wieder auf.

Weiter geht es. Trainiert wird in der Arbeitsgemeinschaft auch für Freundschaftsspiele mit Mannschaften anderer Schulen oder die Stadtmeisterschaften um den Sparkassen-Cup. In diesem Jahr ging das Fichte-Gymnasium dort in zwei Altersklassen mit neun Teams an den Start. Bestes Ergebnis: ein dritter Platz. Erfolgreicher Torschütze war in dieser Mannschaft Lukas Kamp aus der 10b. „Ehrlich gesagt war die Eishockey-AG der Grund für meine Schulwahl“, erzählt der 15-Jährige und schmunzelt. Seit er drei Jahre alt ist, feuert er die Krefeld Pinguine von der Tribüne aus an, hat eine Dauerkarte. „Eishockey ist ein schnelles, körperbetontes Spiel“, erklärt der Gymnasiast, was ihm am Sport auf dem Eis gefällt. Diese Begeisterung wollte er weitergeben. Seinem Klassenkameraden Sebastian Fischer lag er so lange in den Ohren, bis dieser ihn zur AG begleitete. Rollhockey spielt der schon lange, auf dem Eis stand er zuvor aber noch nie. „Ich musste erst einmal das Schlittschuhlaufen lernen“, sagt er. In der AG gefällt ihm, dass – anders als im Verein – kein Leistungsdruck herrscht, sondern der Spaß im Vordergrund steht.

Das sieht Yvonne Schiffer ähnlich. Die Elftklässlerin besucht gemeinsam mit ihrer Freundin Steffi Korzonek seit dem sechsten Schuljahr als eines der wenigen Mädchen die Eishockey-Arbeitsgemeinschaft. „Früher sind wir jeden Tag Schlittschuhlaufen gewesen“, erzählt die 18-jährige. Eisprinzessin wollten die beiden aber nicht werden. „Dann haben wir erstmal gefragt, ob wir überhaupt in der AG mitmachen dürfen.“ Und die Antwort von Wolfgang Hüskes lautete schlicht: „Na klar.“ „Trotzdem standen wir beim ersten Training bestimmt zehn Minuten vor der Umkleidekabine, bis wir uns rein getraut haben“, erinnert sich Yvonne Schiffer und lacht. So viel Zurückhhaltung zeigen die beiden heute nicht mehr: „Es gibt mittlerweile schon den ein oder anderen Jungen, den wir nass machen.“

(Katrin Wandel, Serie "Sport in der Schule", Rheinische Post, 07.04.09)