Speed-Dating soll bei der Berufswahl helfen

Der kommissarische Schulleiter Wolfgang Kutz (links) und Thomas Heyligers mit Schülern des Fichte-Gymnasiums. Foto: Dirk Jochmann

15 Experten aus verschiedenen Branchen stellten den Schülern des Fichte-Gymnasiums ihre Arbeit vor.

Ein Beamer projiziert die Rest­zeit rückwärts laufend an die Klassenwand. Sechs Minuten ha­ben die 15 Schülergruppen der zehnten Klassen des Fichte-Gymnasiums Zeit, die Experten aus 15 verschiedenen Berufs­branchen mit Fragen zu durch­löchern. Ziel ist es, ein möglichst genaues Bild vom jeweiligen Be­ruf zu bekommen.

"Was ist das Schöne an ihrem Job?", fragt Sarah Saad Eventma­nager Maik van Ditshuizen. "Das kein Tag wie der andere ist. Ich liebe die Abwechslung", antwor­tet er. Es bleiben zwei Minuten 33 Sekunden Restzeit. "Was hat der Beruf für Nachteile?", will Hanife Tuncel wissen. "Dass man auch am Wochenende arbeiten muss. Der Kunde muss sein Paket bekommen", antwortet van Dits­huizen. Es bleibt eine Minute und 47 Sekunden bis zum Gong, der zum Wechsel der Gesprächs­partner auffordert. "Hat man dann überhaupt Freizeit?", will eine Schülerin wissen. Knappe Antwort: "Ja." Kurz darauf ist die Zeit abgelaufen. Naheliegende Fragen, die nicht gestellt wur­den, sind unter anderem: "Braucht man dafür Mathema­tik?" und "Wie viel verdient man da?"

Die Idee zum Speed-Dating stammt von vier jungen Sie­mens-Mitarbeitern. Zusammen mit den Maschinenbauern Flori­an Dick, Andreas Grzona und Conrad Vomstein hat der Indus­triekaufmann Thomas Heyligers das Projekt entwickelt, Schülern bei der Berufswahl zu helfen. Für das diesjährige Treffen haben sie mit mehreren Schülern des Gymnasiums viel Freizeit inves­tiert, im nächsten Jahr sollen es die Schüler dann allein organi­sieren. "Wir bringen den Schü­lern dafür das Handwerkszeug bei, wie man so etwas organi­siert", sagt Andreas Grzona. Eine Anleitung sei das, die wie ein Kochbuch funktioniere, sagt er.

Schüler sollen vor Praktikum und Kurswahl Orientierung erhalten. Für die Schüler ist es wichtig, dass sie schon vor ihren Berufs­praktika mit den Berufsexperten sprechen - und auch vor der Wahl ihrer Leistungskurse im Frühjahr. "Viele haben ein sehr idealisiertes Bild von bestimmten Berufen und stellen erst nachher fest, dass es nicht stimmt", sagt sie. Um ein breites Spektrum abzudecken, sind Be­rufsvertreter aus ganz unter­schiedlichen Branchen in die Schule gekommen. Den Fragen der Jugendlichen stellen sich da­bei eine Kinderärztin und eine Chirurgin, ein Elektriker und ein Feuerwehrmann genauso, wie der Jurist, der Steuerberater, die Kunsthistorikerin und die Fit­nesstrainerin.

Lütfige Satici ist begeistert von dem Thementag. "Uns wur­den die Probleme in den einzel­nen Berufen besser geschildert, als es sonst möglich gewesen wäre", sagt sie. Für sie hat sich das Speed-Dating bereits ge­lohnt. Sie möchte demnächst ein Praktikum bei Eventmanager van Ditshuizen machen.

Ulrich Hoeck, Westdeutsche Zeitung, 23.10.14

 

Rückblick auf das Experten-Speed-Dating (22.10.14)

Die Resonanz von allen Seiten war überwältigend: Die Mitglieder des Nachwuchskreises von Siemens-Krefeld (Lejla Karsten, Florian Dick, Andreas Grzona, Thomas Heyligers, Conrad Vomstein), die zusammen mit einer Vorbereitungsgruppe aus der Einführungsphase  um Frau Becker diese vollkommen neue Form vorbereitet hatten, und die 15 Experten lobten die engagierte Mitarbeit der Schülerinnen und Schüler, die in Gruppen  im 6-Minuten-Takt den Experten mit jeweils einem anderen Berufsfeld (vom Maschinenbauingenieur über den Apotheker bis zum Eventmanager) wechselten, um im Finale zum interessantesten Feld zurückzukehren. Die Schüler waren begeistert zu erfahren, wie groß die Differenz zwischen ihren Vorstellungen und dem tatsächlichen Berufsbild lagen. Im nächsten Jahr wird die Veranstaltung für die kommende EP wiederholt werden.

Dr. Wolfgang Kutz, kommissarischer Schulleiter