Zauberei als Arbeitsgemeinschaft

Am Fichte-Gymnasium herrscht magische Stimmung: Seit sechs Monaten gibt es dort eine Zauber-AG. 15 Schüler lernen von Mathelehrer Daniel Tadych, wie man einen Geldschein in eine ungeschälte Kiwi zaubert.

Der Zauberer fordert einen Zu­schauer auf, eine Zahl zwischen eins und sechs zu wählen und an­schließend in die Jackentasche des Magiers zu greifen. Verblüffenderweise findet sich dort ein Zettel mit der vom Zuschauer genannten Zahl. Pure Magie, die Mathelehrer Daniel Tadych seinen 15 Zauber­lehrlingen aus den Klassen 7 bis 13 in der Arbeitsgemeinschaft am Fichte-Gymnasium beibringt.

"Mit der Zauberei habe ich selbst vor knapp fünf Jahren angefangen", erklärt Tadych, "und zeigte den Schülern am Ende der Mathestun­den manchmal als Belohnung ei­nen Trick, wenn sie besonders auf­merksam waren." Claire Stiebler und Oanh Nguyen interessierten sich besonders für das Zaubern und liehen sich von Tadych den Film "Das Duell der Magier". Der faszi­nierte sie so sehr, dass sie auf die Idee kamen, die Zauber-AG ins Le­ben zu rufen. In einem Casting wur­de aus 60 Bewerbern die Gruppe von 15 Schülern ausgewählt. "Bei der Zauberei ist es zu 10 % der Trick und zu 90 % die Per­formance" sagt Tadych, "deshalb mussten wir vorher gucken, wie die Bewerber einfache Tricks rüber­bringen."

Gelegenheit, das Eingeübte zu präsentieren, bekommen die Schü­ler am 20. Juni 2012 mit einer eigenen Show, die wie eine Geschichte auf­gebaut ist: Schüler finden eine Holzkiste, in der sich die Zauber­utensilien eines Magiers befinden. Anhand eines Tagebuchs erlernen die Schüler die Tricks. Vor jeder Showeinlage wird ein Eintrag vor­gelesen. "Oft reihen sich die Tricks in solchen Shows einfach aneinan­der. Wir wollten noch mehr Span­nung reinbringen", erklärt Claire Stiebler.

Mit Videoanleitungen aus dem Internet lernten die Schüler vor dem Spiegel die magischen Illusio­nen, die in die Show eingebaut wer­den. Dabei kennt nicht einmal Leh­rer Tadych alle Tricks: "Jeder stu­diert seinen Trick selbst ein und zeigt ihn hier. Dann diskutieren wir Abänderungen und Verbesserun­gen" erzählt er. Tadych selbst ist für die Kartentricks verantwortlich.

"Manchmal bin ich selbst über­rascht, wenn mein Trick klappt." Tatsächlich sind die Zaubereien faszinierend: Tadych zaubert eine vom Zuschauer ausgewählte Spiel­karte aus einem Kartenstapel in sein Portemonnaie. Schüler Hüsey­in Yildirim beeindruckt mit seinem Seil-Trick: Drei Seile unterschiedli­cher Länge werden gleich lang, verknotet und auf einmal zu einem, einzigen. "Das hat viel mit Finger­fertigkeit zu tun" erklärt Hüseyin. Mehr will er aber dazu nicht sagen: "Ein Zauberer hat zwei goldene Regeln: Jeden Trick nur einmal zeigen und nie verraten, wie es geht."

Die AG hat sich in den letzten Wo­chen zu mehreren Treffen verabre­det, davor lief die Kommunikation über Facebook: "Da haben wir Vi­deos ausgetauscht und Termine ab­gesprochen", erzählt Claire. Auch ein professionelles Zauber-Semi­nar hat die Gruppe schon besucht. Und eine Generalprobe für ihre Show gab es auch schon: im Ju­gendzentrum in Stahldorf hat die Gruppe vor einigen Wochen ihre Magie gezeigt. "Da hat alles ge­klappt" berichtet Claire.

"Die Verblüffung der Leute ist der Motor des Ganzen. Das ist, was wir sehen wollen", fasst Daniel Tadych zusammen. Verblüfft werden die Zuschauer sicherlich sein: Bei der tollen Show wird am Ende aus einer Kiwi der eigenhändig beschriftete Geldschein eines Zuschauers ge­zaubert.

Der eingangs erwähnte Trick funktioniert übrigens so: Für jede Zahl hat der Zauberer eine eigene Tasche. Sagt der Zuschauer also "vier" ist es die linke Tasche, sagt er "drei" ist es die rechte und so weiter. "Das war der erste Trick den ich kannte" erklärt Tadych.

RP-Foto: T. Lammertz

Die Zauber-Show

Termin: Die Zaubershow "Magic is Fichte" findet am 20. Juni 2012 um 19 Uhr und am 21. Juni 2012 um 18 Uhr im Fichte Gymnasium statt.

Eintritt: Die Karten kosten €3. Die Zauber-AG wird noch von der Chemie-AG unterstützt, die magische Experimente zeigt.

Quelle: Katrin Puvogel, Rheinische Post, 12.06.12

Ein magischer Abend

"Ach, ein paar billige Kartentricks kann doch jeder." Solche Sätze hörte man schon mal auf dem Schulhof als die "Magic is Fichte"-Plakate der Zauber AG hingen.

Doch trotz allem, vielleicht auch gerade deswegen, war die Spannung groß, was sich denn nun hinter dem "magischen Abend", zu dem eingeladen wurde, wirklich verbirgt. Die Karten waren schnell weg und die Aula am 20. Juni 2012 gut gefüllt, dem Tag der Premiere.
Mit den Gästen stieg auch die Nervosität der jungen Nachwuchszauberer. Ob das alles so klappt? Hatten wir genug Vorbereitung? Werden die Leute sich faszinieren lassen? Plötzlich waren viele Fragen in den Köpfen. Immerhin war es auch das allererste Mal, dass am Fichte-Gymnasium ein solches Event stattfinden sollte.

Doch drücken konnte sich nun keiner mehr und so begann pünktlich um 19 Uhr die große Zaubershow. Nach einer kurzen Einweisung in die Regeln der Magie erfuhren die Zuschauer von dem ehemals großen Magier Nevil Maskelyne, der sein magisches Erbe der Zauber AG des Fichte-Gymnasiums hinterlassen hatte.

Mithilfe von Nevils Tagebuch begaben sich die Zuschauer auf eine magische Reise. Telepathische Kräfte, hellseherische Fähigkeiten und beeindruckende Gedankenmanipulation konnten so manchen Zuschauer ins Staunen versetzen. Spätestens aber als der Geldschein eines Zuschauers in einer verschlossenen Kiwi gefunden wurde, war es um jeden Anwesenden geschehen. Die anschließend präsentierte Seilkunst raubte dann auch dem letzten, abgehärteten Zuschauer den Verstand.

Wie um alles in der Welt ist das möglich? Wieso wissen diese Leute, was ich denke? Wie können Kiwis mit Geldscheinen gezüchtet werden? Wie kann aus zwei Seilen plötzlich eins werden? Solche Fragen spukten den Zuschauern am Mittwochabend im Kopf herum. Doch schnell erinnerte man sich wieder an die anfangs verlesene "Gebrauchsanweisung der Magie". "Es geht nicht darum, herauszufinden, wie ein Trick funktioniert. Es geht nur darum, sich faszinieren zu lassen."

Also lehnten sich die Zuschauer zurück und ließen die Fragen beiseite. Und mit einem Mal wurde der Abend zu einer Zeitreise, zurück in die Jahre der Kindheit. Zurück zu dem Zeitpunkt, an dem man zum ersten Mal mit staunenden Augen und offenem Mund die große, weite Welt kennenlernte. Genau dieses Gefühl der Faszination war es, was den Abend zu einem einzigartigen Erlebnis werden ließ.

Als Resümee lässt sich festhalten: Billige Kartentricks kann vielleicht jeder, aber das muss echte Magie gewesen sein.