Gegen das Vergessen

Exkursion nach Verdun: Auf den Spuren des 1. Weltkrieges

In der Geschichte werden kriegerische Auseinandersetzungen meist mit einem bestimmten Ort oder einem Landstrich in Verbindung gebracht, wenn nicht sogar nach diesem benannt. Beste Beispiele hierfür sind die Völkerschlacht bei Leipzig oder die Schlacht um Stalingrad. An diesen Orten kulminierte ein Konflikt und einer Kriegspartei wurde eine so schwere Niederlage zugefügt, dass die Schlachten als Wendepunkte des Krieges bezeichnet werden. Die Kämpfe an diesen Orten dauerten Tage, Wochen oder sogar Monate und Tausende Menschen verloren dabei ihr Leben.

Wenn man heute diese Orte besucht, findet man meist nicht mehr als ein Denkmal vor. Die Spuren der Kämpfe wurden im Laufe Zeit soweit beseitigt, dass die Dimensionen nur noch schwer nachvollziehbar sind. Eine Ausnahme sind die Schlachtfelder von Verdun, auf denen von Februar bis Dezember 1916 ein erbitterter Stellungskrieg zwischen den Ententemächten und dem Dreibund tobte. Hier hat man bewusst die Schlachtfelder nicht planiert, Schützengräben nicht zugeschüttet und Festungsanlagen und Bunker nicht gesprengt. Das gesamte Gebiet ist ein Mahnmal und eine Gedenkstätte zugleich für beide Seiten.

Der Grundkurs "Geschichte" von Herrn Schüppel veranstaltete am 30.06.2012 eine freiwillige Exkursion zu diesem Ort. Die Teilnehmer der Exkursion haben die Führung an den einzelnen Orten selbst übernommen, nachdem im Vorfeld einzelne Kurzreferate vergeben wurden sind. Nach einer vierstündigen Fahrt haben wir zunächst das sehenswerte Museum besucht, wo man nicht nur Waffen und Uniformen besichtigen kann, sondern auch Kunstgegenstände, die Soldaten beispielsweise aus Granathülsen gefertigt haben. Weiterhin erhält man einen guten Überblick über den Verlauf der Schlacht.

Auf einem kurzen Spaziergang nahe dem Museum haben wir die Überreste des komplett zerstörten Dorfes Fleury besichtigt. Dabei liefen wir auf der einstigen Hauptstraße, welche nur noch durch Wegmarkierungen erkennbar war, durch eine golfplatzartige Landschaft gespickt mit Granattrichtern. Dort, wo einst Gebäude standen, waren oft nicht mal mehr die Grundmauern zu erkennen. Die Friedlichkeit und Ruhe des Ortes steht im krassen Gegensatz zu dessen Symbolik.

Anschließend haben wir das nahegelegene Fort Douaumont besichtigt. Hierbei handelt es sich um eine Festungsanlage, die während der Kämpfe mal von den Deutschen - mal von den Franzosen erobert wurde. Von diesen Festungsanlagen gibt es mehrere im Umkreis, aber diese war die Größte und mit ihrer exponierten Lage auf einem Hügel war sie strategisch sehr wichtig. Bei einer beinahe zweistündigen Tour durch die Kasematten des Forts, welches sogar über eine eigene Bäckerei verfügte, beeindruckte die Enge und Dunkelheit in welcher die Soldaten ausharren mussten.

Auf der Fahrt zum sogenannten "Bajonettgraben" liegt direkt an der Straße ein fast noch intakter Schützengraben, dessen Verlauf wir mehrere hundert Meter zu Fuß gefolgt sind. Das gesamte Gebiet ist von diesen Gräben durchzogen, in denen die Soldaten hausten, kämpften und starben. Der Bajonettgraben war ebenfalls ein solcher Graben, wo ein französisches Regiment durch eine Granate verschüttet worden sein soll und nur noch die Bajonettspitzen der Gewehre aus dem Boden ragen.

Den Abschluss der Exkursion bildete der Besuch des Beinhauses, in dem die Überreste von 130.000 nicht identifizierten Soldaten beigesetzt sind. An diesem Ort wird besonders deutlich, dass Verdun keine rein französische Gedenkstätte ist, sondern eine Gedenkstätte für alle Menschen.

Ch. Schüppel