Oral History am Fichte-Gymnasium: NAPOLA

NAPOLA? Was ist das? Wofür steht diese Abkürzung? Gibt es da nicht einen Film?

Dies waren in etwa die Fragen, die von den Schülerinnen und Schülern der Klasse 10 gestellt wurden, als dieser Begriff bei der Behandlung "Jugend im Nationalsozialismus" erstmals auftauchte.

Die Schüler erarbeiteten sich anhand des Spielfilms "NAPOLA - Elite für den Führer" von Dennis Gamsel und einer Internetrecherche ein Grundwissen über die NAPOLA und erfuhren somit, dass es sich um Elite-Schulen der Nationalsozialisten handelte, in denen die zukünftigen Anführer und Akademiker ausgebildet werden sollten. In diesen "Nationalpolitischen Erziehungsanstalten" (offizielle Abkürzung: NPEA) herrschte eine strenge Disziplin und ein hartes Ausleseverfahren. Dennoch waren die Plätze sehr begehrt, da eine Karriere dann sicher schien. Wie hart die Aufnahmebedingungen waren, erkennt man daran, dass von 2000 Bewerben an der NPEA Plön 1934 nur 140 zur Bewerbung zugelassen wurden, von denen lediglich 70 die sportlichen Prüfungen und die "rassische Tauglichkeit" erfüllten.

Thema beendet, könnte man nun meinen, jedoch bot sich hier eine einmalige Gelegenheit für den Unterricht, da Frau Fröchte den Kontakt zu einen ehemaligen NAPOLA-Schüler herstellen konnte, der bereit war, den Schülern von seinen Erlebnissen zu berichten. Daher besuchte am 3. Mai 2010 Herr Otto-Ernst Prehn das Fichte-Gymnasium,  an dem er selbst im Jahr 1948 sein Abitur ablegt hatte.

Herr Prehn hatte von 1939 bis 1944 die NAPOLA in Köslin besucht und schilderte in fesselnder Manier den Alltag der damaligen Schüler und erstaunte die Schüler dabei mit vielen interessanten, ja teilweise fantastischen Ereignissen. Beispielsweise verließen die Lehrer an der NAPOLA den Klassenraum, wenn Klausuren geschrieben wurden, denn Abschreiben wäre ein Vertrauensbruch gewesen. Selbstverständlich waren viele unserer Schüler dafür, man solle dies ruhig auch bei ihren Klassenarbeiten mal ausprobieren... Allerdings musste man auch die Schule verlassen, sobald man ein einziges Mal ein "Mangelhaft" auf dem Zeugnis stehen hatte.

Herr Prehn erzählte jedoch nicht nur von der NAPOLA, sondern auch von seinem Weg nach Krefeld, dem Abitur am Fichte-Gymnasium und dem damaligen Lateinunterricht, wo es noch 200 Verse Ovid zu lernen galt.

Abschließend erhielten die Schüler die Gelegenheit, nach Herzenslust Nachfragen zu stellen, wovon sie redlich Gebrauch machten. Die Schüler der Klassen 10a/c und die Fachschaft Geschichte bedanken sich für sehr informative und zum Nachdenken anregende neunzig Minuten.

F. Bernhardt