Wiedersehen an der Lindenstraße 60 Jahre nach dem Abitur

Fichte-Direktorin Waltraud Fröchte begrüßte gestern an der Lindenstraße ehemalige Schüler des Abiturjahrgangs 1950, u.a. mit Heinz Mack (4.v.l.) und Kurz Kähler (r.). (Foto: Dirk Jochmann)

Ehemalige der Abiturentia 1950 trafen sich im Fichte.

Krefeld. Vor 60 Jahren haben die Männer ihre Abiturprüfung am Fichte-Gymnasium abgelegt – nun sind sie an ihre alte Schule zurückgekehrt. Direktorin Waltraud Fröchte begrüßte die Besucher gestern Vormittag in ihrem Büro. „Wir waren immer die A“, sagt der in Krefeld bekannte Rechtsanwalt Kurt Kähler und meint damit die Klassenbezeichnung von Sexta bis Oberprima.

Kähler schloss ein Jahr vor den anderen ab. Denn die Ehemaligen, alle Jahrgang 1928 und 1929, sind im Zweiten Weltkrieg noch als Flakhelfer oder zum Feldeinsatz eingezogen worden, hatten teilweise ein Jahr lang keinen Unterricht. „Und nach dem Krieg gab es keine Räume, kein Material und so gut wie keine Lehrer. „Ein Pädagoge hat sogar vor uns in der Klasse geweint,“ erinnert sich Paul Wolters, „er war so verzweifelt.“

Viele solcher Erinnerungen kommen hoch bei der Abitiurientia 1950. Die Schule hat auch ein Album mit alten Aufnahmen und Erinnerungen angelegt. Waltraud Fröchte erzählt den Ehemaligen ein bisschen aus der Schulgeschichte, und dann kommen auch noch ganz viele Erinnerungen dazu.

Von den damals 18 Abiturienten sind in den vergangenen fünf Jahren fünf gestorben. Drei mussten sich wegen Krankheit für das Ehemaligen entschuldigen, und so haben sich gestern elf eingefunden, manche mit ihren Lebensgefährtinnen.

Unter den Fichte-Abiturienten von 1950 ist der Künstler Heinz Mack, der heute in Mönchengladbach und auf Ibiza lebt und arbeitet. Der vielfach ausgezeichnete Künstler – den Kunstpreis der Stadt Krefeld bekam er bereits 1958 – ist gekommen, weil ihm „die menschliche Nähe“ viel bedeutet.

Aus der Abiturentia sind sechs Professoren hervorgegangen, etwa 80 Prozent sind Vollakademiker. Auch Paul Wolters hatte ein Professur inne, er unterrichtet jetzt Senioren.

Für das Treffen nach 60 Jahren stand gestern Nachmittag ein Besuch der Synagoge in der Wiedstraße auf dem Programm, ein gemeinsames Abendessen folgte. Wenn’s klappt, steht noch ein Ausflug ins neu gestaltete Folkwang-Museum Essen an. „Wir kommen schon seit einigen Jahren regelmäßig zusammen“, sagt Wolters, „und wir versuchen immer, etwas Interessantes gemeinsam zu unternehmen.“

Einmal waren alle bei Heinz Mack auf Ibiza, einmal haben sie eine Klassenfahrt „nachgereist“. Sie waren schon zusammen in Berlin – und vor zehn Jahren, zum 50. Jahrestag ihres Abiturs, natürlich auch wieder im Fichte-Gymnasium. „Wir sind einander wieder sehr vertraut geworden“, sagt Wolters. Und: „Wir gehen immer zurück in die eigenen Geschichte. Und wir können untereinander über alles sprechen.“

Chistina Schulte, wz-online.de, 09.04.10