16-jähriger Schüler schnuppert Parlamentsluft

Wladislaw Peljuchno übernahm kurz das Landtags-Mandat von Peter Kaiser (CDU).

"Ich hätte nicht gedacht, dass alles so locker ist. Es wurde viel gescherzt und gelacht." Nicht nur diese Eindrücke nimmt der 16-jährige Wladislaw Pel­juchno aus seinen zwei Tagen auf dem Abgeordnetensitz des Landtages in Düs­seldorf mit, sondern eine Reihe positi­ver Erlebnisse mehr.

Von Montagmorgen bis Dienstagabend übernahm der Schüler des Fichte-Gymnasiums im Rahmen des 2. NRW- Jugendlandtages das Mandat von Peter Kaiser (CDU).

"Wir haben am Montag eine Übergabe gemacht", berichtet der erfahrene Parlamentarier mit Wahlkreis in Fischeln.

"Dann durfte Wladislaw schalten und walten, wie er wollte." Der lächelt. "Naja, zunächst mussten Ausschüsse ge­bildet und ein Präsidium bestimmt wer­den", erklärt er das für zwei Tage rap­pelvolle Pensum und klingt dabei schon selbst wie ein Berufspolitiker. Zunächst wurden Fraktionen gebildet.

Auf der Tagesordnung standen jugend­nahe Themen wie das Zeugnis für Leh­rer, eine Resolution gegen Gewalt und Mobbing im Internet sowie gegen Kil­lerspiele und Studiengebühren. "Bei dem Thema Gewalt im Internet ist es uns gelungen, ein einstimmiges Ergeb­nis zu erzielen", berichtet Wladislaw nicht ohne einen Funken Stolz.

Denn die Nachwuchs-Abgeordneten ha­ben sich mächtig ins Zeug geworfen.

"Als alle anderen Fraktionen schon beim gemeinsamen Grillabend waren, saßen die Kollegen von der FDP noch im Konferenzraum zur Beratung, weil sie sich nicht auf einen Konsens einigen konnten."

Ob Wladislaw jedoch selbst einmal Be­rufspolitiker werden will, bezweifelt er. "Ich möchte später Business Admini­stration im Ausland studieren. Die freie Wirtschaft interessiert mich sehr." Nach seinen Erlebnissen ist er sich jedoch si­cher: "Man sollte auf jeden Fall seine Möglichkeit des Wahlrechts nutzen. Wer nicht wählen geht, wählt damit so gut wie rechts."

Peter Langer, Westdeutsche Zeitung, 03.07.09

Welt des Parlaments

Krefelder Schüler wurde Mitglied des Jugend-Landtages

Wladislaw Peljuchno weiß nun genau, wie es im Landtag zugeht. Denn der 16-jährige Schüler des Fichte-Gymnasiums hat selber auf den Abgeordnetensitzen im Düsseldorfer Plenarsaal Platz genommen und fleißig mitpolitisiert. Thema: Sollen Lehrer künftig Zeugnisse von ihren Schülern bekommen?

Hintergrund der Politik-Woche ist die Tagung des 2. Jugendpar­lamentes. „Dies hat der Landtag im letzten Jahr ins Leben geru­fen, um Jugendliche an die Poli­tik heranzuführen", erläutert Pe­ter Kaiser, Krefelder Landtagsab­geordneter der CDU. Er hatte dafür seinen Platz für Wladislaw freigemacht. „Ich habe ihm auch mein Büro übergeben, damit er die nötige Unterstützung für sei­ne politische Arbeit bekommt". Fast eine Woche tagten die Ju­gendlichen im Düsseldorfer Par­lament. Sie fanden sich zu Frak­tionen zusammen, wählten ein Parlamentspräsidium, brachten Anträge ein und stimmten über diese ab. Eben genauso wie im richtigen Parlamentsleben. Die Erwachsenen sahen nur zu. Wla­dislaw gehörte zur CDU-Frakti­on. Zusammen mit den jugend­lichen FDP-Kollegen brachte sie den Antrag durch die Abstim­mung, den Lehrern Zeugnisse auszustellen. „Ein unabhängiges Gremium soll dazu unangemel­det den Unterricht besuchen", erläutert der Schülerpolitiker das Konzept. Mit Ende des Ju­gendparlamentes ist der Antrag nicht gestorben. Kaiser versi­chert: „Alle Beschlüsse werden im Landtag behandelt." Die Chancen auf Verwirklichung des Lehrerzeugnisses will er aller­dings nicht einschätzen. Allzu groß dürften sie nicht sein. Kon­sens zwischen Jugendlichen und Erwachsenen dürfte eher beim Beschluss zum Verbot von Killerspielen zu erzielen sein. Wladislaw hat die Woche im Par­lament Spaß gemacht. „Politik ist nicht langweilig, wie manche meinen", betont er. Berufspolitiker will er aber trotzdem nicht werden. „Eher als Hobby betrei­ben".

Extra-Tipp am Sonntag, 05.07.09