Trauer um Wilhelm Kuypers

OStD W. Kuypers, 1970

Wilhelm Kuypers, der ehemalige Schulleiter des Fichte-Gymnasiums, ist am 22. November 2009 im Alter von 86 Jahren verstorben. Als Oberstudiendirektor übernahm Kuypers im Jahr 1964 die Leitung der renommierten Schule für Jungen und führte sie im Sinne der mathematisch-naturwissenschaftlichen Tradition weiter. Tatkräftig und hartnäckig setzte er sich sofort bei Amtsantritt für den dringend notwendigen Ausbau der Schule ein. Der Neubau des Naturwissenschaftlichen Traktes am Westwall ist bis heute ein Zeichen seines erfolgreichen Wirkens. Er unterstützte die Pläne, ein Sprachlabor und ein Planetarium einzurichten, setzte durch, dass eine Turnhalle gebaut und dass die Burg Bischofstein, das Schullandheim der Fichte-Schule, saniert wurde. Kuypers suchte junge, kompetente und engagierte Lehrer, die er für sein Kollegium zu gewinnen wusste. Dann folgte die Phase der Umbrüche, der Reformen, der Veränderungen. Koedukation wurde selbstverständlich; die Gymnasien wurden enttypisiert; die Klassenverbände der Oberstufe wurden aufgelöst. Dass alle diese Reformen vorsichtig, mit Maß, mit Blick für die notwendige Kontinuität durchgeführt wurden, war Verdienst des Schulleiters Wilhelm Kuypers. Er war der anerkannte "Chef". Er versuchte mit seiner Autorität auch die zu überzeugen, die revolutionäre Parolen in der Schule zu verbreiten suchten.

Wilhelm Kuypers war 1923 in Bottrop geboren. In seiner Jugend war er ein erfolgreicher Leichtathlet, der bei den Westdeutschen Meisterschaften mitmischte. Er gehörte zu den waffenfähigen Jahrgängen, kam nach Russland, wurde verwundet und konnte noch während des Krieges mit dem Studium beginnen. Nach Studien in Münster, Bonn und Göttingen bestand er 1947 das Erste Staatsexamen in den Fächern Mathematik, Physik und Chemie "mit Auszeichnung" und 1950 das Zweite Staatsexamen – die pädagogische Prüfung – mit der gleichen Note. Am damals altsprachlichen Arndt-Gymnasium stand er für einen neuen Typ Lehrer, der beeindruckte. Wenig später wurde er – jugendlicher –  Fachleiter für Physik am Krefelder Studienseminar.

W. Kuypers, 1980

Der Lehrer und Schulleiter Wilhelm Kuypers war ein Pflicht-Mensch, ein Mann der tätigen Verantwortung. Fleiß und Pünktlichkeit erwartete er von sich, von seinen Schülern und ebenso von seinen Kollegen. Da er hohe Ansprüche zuerst  an sich selbst stellte, wirkte er als Vorbild für das Kollegium. Aus seinem Unterricht erwuchsen jene Schulbücher, die über die Region hinaus als fachlich einwandfrei und methodisch brillant geschätzt wurden. Sein Wort hatte im Kreise der Krefelder Schulleiter Gewicht. Nach 43 Jahren im Schuldienst nahm er 1987 hochgeehrt Abschied von "seiner" Schule und trat in den Ruhestand.

Nur wenige kannten den Privat-Menschen Wilhelm Kuypers. Nur wenige wussten, dass er gern zum Schifferklavier Shanties sang, dass er in den Sommerferien segelte und mit seinen Kindern Fußball spielte, dass er gerne Biographien großer Leute las, dass er in langen Gesprächen nach dem Sinn des Lebens fragte und danach, was wohl folgen wird. Diejenigen, die ihn genauer kennenlernen durften, trauern um einen vorbildlichen Pädagogen.