Fichte schafft den Gong ab

Die Schüler sind über die Abschaffung des Gongs glücklich.

Krefeld (RP) Die Zeiten, in denen die große Pause von der Schulglocke eingeläutet wurde, sind in mehreren Krefelder Gymnasien vorbei. Die Lehrer sollen den Unterricht selbst beenden können. Sogar die Schüler begrüßen den Vorstoß.

Sie ist nicht zu überhören. Mit einem schrillen, lauten Ton signalisiert die elektrische Klingel im Fichte-Gymnasium den Schülern das Ende der Pausen. Ein Ton, den sie inzwischen immer seltener zu hören kriegen: Lehrer, Schüler und Eltern haben sich in der Schulkonferenz darauf verständigt, auf den Schulgong zum Pausenanfang zu verzichten. Dort klingelt es nur noch zum Beginn der Unterrichtsstunden. Ein Beispiel, das Schule macht. Auch in anderen Krefelder Gymnasien gibt es Überlegungen, den Schulgong abzuschaffen.

Im MSM-Gymnasium verzichtet man bereits seit Jahren auf die Pausenglocke. Vorbei sind die Zeiten, in denen Schüler beim Gong reflexhaft Stift und Papier einräumten, noch bevor der Lehrer den Unterricht beenden konnte. Vorbei auch die Zeiten, in denen der Schulglocke im Zweifelsfall mehr Bedeutung zugemessen wurde als dem Wort des Lehrers. "Keiner wünscht sich den Gong zurück", sagt Schulleiter Heinz Strohe. Auch deswegen, weil sich die Berechnung der großen Pausen bald ändert. In den nächsten Monaten werden die Unterrichtsstunden am MSM auf 67,5 Minuten verlängert.

Inzwischen gibt es am Fichte-Gymnasium bereits Überlegungen, sogar das Läuten zum Pausenende einzustellen. Dann würde künftig die Schulglocke nur noch einmal morgens zum Unterrichtsbeginn klingeln. "Der Verzicht auf die Glocke wird von allen als großer Vorteil empfunden", sagt Schulleiterin Waltraud Fröchte. Anfängliche Befürchtungen der Eltern, dass Lehrer die Unterrichtsstunden überziehen und in die Pause hinein unterrichten, hätten sich nicht bewahrheitet.

Nach einer Testphase und einigen Diskussionen haben sich inzwischen sogar die Schüler mit dem Ende des Pausengongs angefreundet. "Vor allem bei längeren Klassenarbeiten störte der Gong früher", sagt Schülersprecher Timo Brocks.

Nostalgie beim Gedanken an den Schulgong, der den Zeitplan für die Schule in immer gleichen Rythmen vorgab, empfinden immer weniger Lehrer und Schüler. Carsten Verhoeven, Vertrauenslehrer am Fichte-Gymnasium, empfindet es eher als Erleichterung, selbst entscheiden zu können, wann er in Doppelstunden die kurzen Fünf-Minuten-Pausen legt. Denn der Gong sei pädagogisch wenig sinnvoll: "Die Schüler sollen kreativ sein. Und dann plötzlich das Denken einstellen", sagt Verhoeven. [...]

Sven Durgunlar, Rheinische Post, 11.11.09

Quelle: WDR Lokalzeit Düsseldorf, 07.12.09