Preis des Zonta-Clubs für Schülerin: "Freiheit ist, man selbst zu sein"

Gizem Gürbüz (rechts), Silke Völker (links, Zonta), Foto: Andreas Bischof

Sie ist die erste, die die Trophäe ins Fichte-Gymnasium bringt: Am 1. Juni erhält die sechzehnjährige Gizem Gürbüz den Preis für junge Frauen des Zonta-Clubs. Die Auszeichung trägt den sperrigen Titel "Young Women in Public Affairs Award" und wird in vielen der Damen Service-Clubs auf der Welt verliehen. Auch der Krefelder Club zeichnet junge Frauen aus, die ihren Anforderungen in Sachen Engagement und Frauenfrage genügen.

Die Messlatten liegen hoch - Gizem hat die Hürden gemeistert und wurde sogar für den internationalen Wettbewerb vorgeschlagen. Sie musste einen umfangreichen Fragebogen zu Schule, Familie und vor allem zu ihrem Engagement ausfüllen. Insgesamt haben sich in diesem Jahrgang acht junge Mädchen beteiligt. Die anderen sieben von 2016 lernen am Arndt, Fabritz, Horkesgath, MSM (3) oder Ricarda-Huch.

Gizem hat noch ein Jahr bis zum Abitur. Jetzt, nach ihren Klausuren, kommt sie zum Gespräch. Die WZ trifft sich mit ihr und der Ausschussvorsitzenden Silke Völker vom Zonta-Club. Gizems Mutter hat sie noch bis zur Tür gebracht. Gizem gehört zur dritten Generation, ihre Mutter - Psychologin und Erzieherin - wurde in Deutschland geboren.

Gizem hat die Lieblingsfächer Deutsch und Philosophie. In ihren Abschlussklausuren für das vorletzte Schuljahr hat sie sich mit Michael Kohlhaas (Novelle von Heinrich von Kleist) und dem Freiheitsbegriff auseinandergesetzt. Die junge Frau steht ein bisschen unter Strom, aber sie verbirgt das gekonnt. Was denn für sie Freiheit bedeute? "Die seelische Freiheit, man selbst zu sein", sagt sie und grenzt das ab gegen die vermeintliche Freiheit bei Kafka oder die naturwissenschaftliche Theorie, dass menschliche Entscheidungen von Neuronen getroffen würden.

Innere Freiheit scheint Gizem zu besitzen. Sie lehnt Zwänge ab: "In Deutschland ist die Unterdrückung von Frauen grundsätzlich nicht zu beobachten, aber in meiner eigenen türkischen Kultur ist die Frau eine Klischeefigur", sagt sie zur Rolle der Frau. Auf diese Frage richten sich auch ihre Zukunftspläne. Sie möchte zunächst für ein freiwilliges Jahr nach Indien gehen, um dort mit jungen Mädchen und Frauen zu arbeiten. "Ich liebe das Land und bin davon fasziniert", sagt sie. Danach würde sie gern Psychologie studieren, am liebsten in der Hauptstadt Berlin.

Dass ihr das liegen könnte, merkt man im Gespräch: Gizem ist sehr klar und sehr analytisch. Vielleicht ist das auch der Grund dafür, dass sie wieder zur Vertrauensschülerin gewählt wurde. Ihre Aufgabe: Vermittlung zwischen Schülern, Eltern und Lehrern, wenn es Probleme gibt.

Gizem engagiert sich am Fichte auch für das Programm "Schule ohne Rassismus, Schule mit Courage" und im Arbeitskreis für kulturelle Vielfalt. Brücken zu bauen, Verständnis zu schaffen und ein gutes Miteinander zu erreichen, das ist Gizems Ambition. Und dafür wird sie von den Zontians ausgezeichnet.

Gizems Freunde stammen aus verschiedenen Kulturkreisen; Italiener, Russen und Deutsche sind dabei. In ihrer freien Zeit beschäftigt sie sich mit den schönen Künsten: Sie zeichnet Porträts mit Kreide, Ölfarben oder Bleistift: "Ich mache das auch experimentell - so wie ich mein Gegenüber erfasse", sagt sie. Und dann bringt sie sich noch selber das Jazzspielen auf der Gitarre bei - auch hier nimmt sie sich ihre Freiheit. In ihren Bestrebungen sieht Gizem sich von den Zontians unterstützt: "Ich finde das toll, was der Zonta Club macht - die Auszeichnung gibt mir die Kraft, weiterzumachen und sagt mir, dass ich auf dem richtigen Weg bin."

Die Preisverleihung findet am 1. Juni um 16.30 im Fichte-Gymnasium statt, geladene Gäste.

Quelle: Christiana Schule, www.wz.de, 29.05.16