Kotzen&Liebe, K.s Traum, Sucht, Lethargie, Spielplatz, 62130, Catcalling – Sieben Schlagworte und so viel mehr Geschichten: Das Poetry-Slam Schul-Finale

Gespanntes Schweigen, andächtiges Lauschen, plötzlich tosender Applaus und laute "Hossa!"-Rufe – wer es nicht besser wusste, wunderte sich über das Geräuschgemisch, das am 29.06.17 aus der Aula klang. Verantwortlich dafür war nicht etwa der Musikunterricht, sondern das Schul-Finale des zweiten Krefelder Schul-Poetry-Slams. Durch großen, sehr großen oder wahnsinnig großen Applaus bewertete das begeisterte Publikum (die Klassen 9a, 9b und 7c) die vorgetragenen Texte.

Dem vorausgegangen war – wie im letzten Jahr – ein Workshop mit Johannes Floehr, Krefelds deutschlandweit bekannten Poetry-Slammer. Dabei wurden die schreibwütigen Freiwilligen der Jahrgänge EP und Q1 durch Sprachspiele und kreative Impulse dazu angeregt, eigene Texte zu verfassen. Thema, Sprachwahl, Länge und Form der Texte durften selbst gewählt werden. Generell gibt es bei einem Poetry-Slam nur wenige Regeln zu beachten: Der Vortrag des Textes sollte nicht länger als sechs Minuten dauern; es dürfen keine Requisiten oder Kostüme genutzt werden; Zitate müssen als solche deutlich gekennzeichnet werden und selbstverständlich sollte es ein selbst verfasster Text sein.

Dass diese Regeln sie nicht in ihrer Kreativität begrenzen, zeigten insgesamt sieben Teilnehmer, von denen schließlich vier vom Publikum für den Stadtentscheid ausgewählt wurden:

Deniz Kilinc (EP) überzeugte mit seinem Text über K., der den traumhaften Lebensplan fasst, sich nicht anzupassen – was leider misslingt. Ein "Binäres Plädoyer" hielt Clemens Knors (Q1), der die Zuhörer aufrief, in einer Welt von 1 und 0 auch mal die 2 sein zu wollen, weil eben nicht alles nur schwarz oder weiß ist. Lousia Menzel (EP) überzeugte das Publikum mit einem englischen Text über "Catcalling". Sie rief darin eindringlich auf, diese sich verbreitende Unsitte, (fremden) Frauen "Komplimente" über ihren Körper zu zurufen oder ihnen nachzupfeifen, zu überdenken und zu unterlassen. Nicolai Kaps (Q1) zeigte durch zwei Texte den Blick auf die Liebe aus Sicht eines Singles ("Brechende Wellen") und eines Verliebten ("Tanz der Gefühle").

Die Texte von Diana Kadhim (EP, "Ilya und der Engel"), Joshua Gawenda (Q1, "Bewegungslos") und David Engling (Q1, "Perspektiven") begeisterten das Publikum gleichermaßen, unterlagen im Klatschcontest aber schließlich knapp den Schulsiegern.

Im Stadtentscheid konnte dieses Jahr leider trotz hoher Punktzahlen kein Fichte-Schüler den Pokal erlangen. Eine neue Chance dafür bietet sich hoffentlich 2018 in der "Hochburg des Poetry-Slams, in Krefeld" (Johannes Floehr beim Schulentscheid).