Generationsübergreifende Lesestunde in unserer Leseecke

Am Mittwoch, dem 15.02.2017, fand im Deutsch-Förderband eine Lesestunde zum Projekt "Krefelder Leben" statt.

Im Rahmen dieses Projektes erstellt die Studentin Kira Jacobs eine Sammlung von Geschichten, die von drei verschiedenen Generationen verfasst werden. Schüler und Schülerinnen unserer fünften Klassen haben dazu über ihre Wünsche und ihre Zukunft in Krefeld geschrieben. Durch die Lesestunde sollten schreibinteressierte Senioren, die in unserer Leseecke zu Gast waren, zu eigenen Geschichten über ihre Vergangenheit in Krefeld inspiriert werden. Die Gelegenheit dazu war da, lasen die Schüler doch über Berufswünsche, tolle grüne Orte in Krefeld, die Stadt als neue oder lieb gewonnene Heimat, aber halt auch teilweise von Zweifeln, ob man hier sein ganzes Leben verbringen wolle.

Nach der Vorleserunde verblieb noch genügend Zeit für ein gemeinsames Gespräch, in dem die Schüler die Anwesenheit der Senioren nutzten, um etwas über Krefelder Geschichte zu erfahren. So standen zunächst Fragen zur Schule im Vordergrund, die "immer eine Jungenschule war", wie sich Rainer Naumann (78) erinnert. Erst mit dem Einsetzen der Koedukation in den 1970er Jahren änderte sich dies allmählich.

Dieter Zenke erzählte nach einer Frage aus der Runde begeistert über Meister Ponzelar, der über den Südwall wacht, und zeichnete ein Bild des alten Krefeld mit hunderten von Hauswebern und der Samt- und Seidenkultur.

Schulspeisung im Fichte-Gymnasium

Vor allem das Alter der Senioren führte bei den Kindern zu der Frage, ob sie den Zweiten Weltkrieg erlebt hätten. Alle bejahten dies und verdeutlichten, dass sie damals zwar jünger als die anwesenden Elf- und Zwölfjährigen gewesen seien, sich aber dennoch lebhaft an die Zeit im aber vor allem nach dem Krieg erinnerten. Insbesondere der allgegenwärtige Hunger, der sich bis in die Schule trug und auch durch die "verhasste Schulspeisung" nur kurz gestillt werden konnte, wurde den Kindern von den Senioren deutlich vor Augen geführt. Ebenso begeisterten die Schüler sich für einen kurzen Satz "op Krieewelsch" von Edith Jansen (74): "Kom, mer jooehn en de Stadt un drenke en Köppke Muckefuck." Nach einer Übersetzung wurden fleißig Sprachübungen durchgeführt, klingt die Mundart doch in den Ohren der Schüler ganz lustig.

Auch die Senioren stellten ihrerseits Fragen an junge Generation. So wunderten sie sich beispielsweise, wie diese schon so konkrete Berufswünsche wie Ärztin oder Blogger entwickeln konnten. Ebenso interessierten sie sich für die Schule in der heutigen Zeit, wobei sich alle, Alt und Jung, schnell einig wurden, dass Hausaufgaben eher nicht beliebt und Ferien doch die beste Zeit des Schuljahres seien.

Ziel des gesamten Projektes ist es, die unterschiedlichen Generationen, Jugendliche, Erwachsene und Senioren, besser zu verstehen und dadurch einfühlsamer zu werden. Außerdem soll das Gemeinschaftsgefühl der Krefelder gestärkt werden. Dass dies gelingt, zeigt das Treffen. So war am Ende doch die Zeit zu kurz, gerne hätten die Schüler weitere Fragen gestellt, auch die Senionren wollten eigentlich noch mehr über Lieblingsbücher, -filme und -spiele der jungen Menschen wissen. Spontan entwickelte sich die Idee, das Treffen der Generationen zu wiederholen.

Eine gute Idee, sprechen doch dann junge und alte Krefelder unmittelbar miteinander über sich selbst und "ihre" Stadt – vielleicht sogar "op Krieewelsch".

Katrin Peters und Simone Wölke

Link: Artikel in der Rheinischen Post